Unser Selbstverständnis

Arbeitsstruktur und Aufbau der beiden Landesarbeitsgemeinschaften

Die LAG Mädchenpolitik und die LAG Jungenarbeit sind die landesweiten Zusammenschlüsse der Mädchenarbeit bzw. der Jungenarbeit in Baden-Württemberg. Zu ihren Mitgliedern zählen jeweils Arbeitskreise, Organisationen und Einzelpersonen, die sich in ihrer Arbeit für die Belange von Mädchen und jungen Frauen bzw. Jungen und jungen Männern einsetzen. Die Mitglieder stammen aus dem gesamten Spektrum der Kinder- und Jugendhilfe sowie aus angrenzenden Arbeitsfeldern wie z.B. Bildung, Gesundheitswesen oder Gleichstellungsarbeit. Die LAG Mädchenpolitik hat aktuell rund 115 Mitglieder, die LAG Jungenarbeit rund 30 Mitglieder (Stand 01.01.2018).

Innerhalb der LAG Mädchenpolitik gewährleisten sieben Sprecherinnen gemeinsam mit den hauptamtlichen Referentinnen der Geschäftsstelle die kontinuierliche Arbeit an den Schwerpunkten, die auf der Mitgliederversammlung formuliert werden. Die Sprecherinnen werden auf der Mitgliederversammlung für jeweils zwei Jahre gewählt und decken unterschiedliche Arbeitsbereiche, verschiedene Trägerschaften und verschiedene Regionen ab.

In der LAG Jungenarbeit wird die Arbeit schwerpunktmäßig vom zweiköpfigen Vorstand sowie den Mitgliedern des Ausschusses getragen. Der Vorstand wird alle zwei Jahre auf der Mitgliederversammlung gewählt. Der Ausschuss wird ebenfalls auf der Mitgliederversammlung besetzt und besteht in der Regel aus vier bis zehn Mitgliedern.


Häufigkeit der Treffen

Die Mitgliederversammlung der LAG Mädchenpolitik findet einmal jährlich statt. Auf der Mitgliederversammlung werden zentrale Themen der Mädchenarbeit diskutiert, fachpolitische Entscheidungen getroffen und inhaltliche Arbeitsschwerpunkte gesetzt. Die Sprecherinnen und die hauptamtlichen Mitarbeiterinnen berichten von ihrer Arbeit und vermitteln zentrale Informationen aus dem Geschäftsjahr. Die Mitgliederversammlung ist in der Regel mit einer Fachveranstaltung verknüpft, um den inhaltlichen Austausch zu gewährleisten. Die sieben Sprecherinnen treffen sich ca. alle sechs bis acht Wochen ganztägig mit den Hauptamtlichen zu Arbeitssitzungen.

Die Mitgliederversammlung der LAG Jungenarbeit findet ebenfalls einmal im Jahr statt. Sie ist an eine Fachveranstaltung zu aktuellen Themen der Jungenarbeit gekoppelt. Der Vorstand und die Ausschussmitglieder der LAG Jungenarbeit treffen sich viermal im Jahr zu zwei- bis vierstündigen Klausuren.

Tätigkeitsschwerpunkte

Die Aufgaben der LAG Mädchenpolitik umfassen drei Tätigkeitsschwerpunkte: Vernetzung, Qualifizierung und fachpolitische Vertretung. Als Kontakt- und Informationsstelle bietet die LAG Mädchenpolitik eine landesweite und trägerübergreifende Vernetzung. Durch Fortbildungen und Fachveröffentlichungen bietet sie ein Forum für die Reflexion des pädagogischen Alltags in der Mädchenarbeit und für eine mädchenpolitische Standortbestimmung. Das vielfältige Angebot in diesem Bereich reicht von der fachlichen Begleitung von Mädchenarbeitskreisen über Fachveröffentlichungen bis zur Durchführung von Tagungen, Seminaren und Fortbildungen. Im Bereich der Lobby- und Gremienarbeit ist die LAG Mädchenpolitik u.a. im Beirat für soziale Jugendhilfe des Sozialministeriums und im Landeskuratorium für außerschulische Jugendbildung des Kultusministeriums vertreten. Außerdem steht die LAG in engem Kontakt zu den Landtagsfraktionen, den Landesministerien und zu zahlreichen weiteren öffentlichen oder freien Trägern, die sich mit der Geschlechterdifferenzierung der Kinder- und Jugendhilfe sowie der Mädchen- und Frauenförderung beschäftigen.

Der Kern der Arbeit der LAG Jungenarbeit ist die Unterstützung, Initiierung und Förderung der geschlechterpädagogischen Arbeit mit Jungen im geschlechtshomogenen oder koedukativen Kontext. Die LAG Jungenarbeit bedient das Thema Jungenarbeit im Rahmen von Vorträgen, Fachtagen, Seminaren, Beratungsprozessen und fachpolitischen Gesprächen. Arbeitskreise, Gesprächskreise, Institutionen und interessierte Personen werden in ihrem Bestreben, Jungenarbeit umzusetzen, unterstützt. Darüber hinaus wird regionale und überregionale Lobbyarbeit für die Interessen von Jungen sowie für die Etablierung von Jungenarbeit geleistet.

Wonach wir handeln

Beide LAGs verstehen die Kategorie Gender als eine im Rahmen von Entwicklung und Vergesellschaftung (Sozialisation) bedeutende Kategorie, die neben anderen Kategorien das individuelle und gesellschaftliche Leben von Kindern und Jugendlichen schon in frühen Jahren maßgeblich beeinflusst bzw. beeinflussen kann. Dieser Einfluss ist einerseits als Entwicklungsnotwendigkeit und damit als wichtig zu betrachten, andererseits werden über Bilder von Weiblichkeiten und Männlichkeiten stereotype und einengende Bilder transportiert und angenommen.

Jungenarbeit ist eine Haltung und ein Beziehungsangebot in einem pädagogischen Kontext. Sie bezieht sich grundlegend auf die Lebenswelten von Jungen und jungen Männern und orientiert sich an ihren Ressourcen. Ziel ist es, Jungen wahr- und ernst zu nehmen und sie über ihre Lebenswelten mitbestimmen zu lassen. Sie sollen darin unterstützt werden, ihre Geschlechterbilder zu erweitern, darauf bezogene Handlungs- und Bewältigungskompetenzen sowie die Fähigkeit zu einer konsensorientierten Auseinandersetzung zu entwickeln. Emanzipatorische Persönlichkeitsentwicklung, Selbstverantwortung und die reflexive Betrachtung der eigenen Beteiligung an der Konstruktion von Geschlecht und der Geschlechterverhältnisse sind hierfür notwendig. Jungenarbeit zielt auf die Gleichwertigkeit der Differenzen zwischen und innerhalb der Geschlechter. Voraussetzung ist es, Normalitäten und Normierungen des Alltags aufzudecken und kritisch zu reflektieren. Daher setzt die LAG Jungenarbeit auf die Stärkung der Vielfalt von Geschlechterentwürfen im Sinne einer sozialen und Eigenverantwortlichkeit, einer körperlichen Bewusstheit und emotionalen Lebendigkeit von Jungen und jungen Männern.

Den Ausgangs- und den Mittelpunkt der konzeptionellen Überlegungen und des praktischen Handelns von Mädchenarbeit stellen die sich permanent verändernden Lebenslagen von Mädchen und jungen Frauen dar. Die Lebenslagen von Mädchen sind heute - nicht zuletzt dank der Frauenbewegung - vielfältig. Damit einhergehend stehen Mädchen aber auch vor erheblichen Entscheidungszwängen, die die Vielfalt der Möglichkeiten mit sich bringt. Gleichzeitig suggerieren neue Bilder von selbstbewussten und attraktiven Mädchen, dass sie mittlerweile gleichberechtigt sind und es von ihnen persönlich abhängt, was sie aus ihrem Leben machen. Dabei wird erstens übersehen, dass es neben dem Geschlecht von weiteren Lebenslagenfaktoren wie familiärer Kontext, Bildung, Schicht- oder Kulturzugehörigkeit abhängt, wie stark Mädchen tatsächlich von den gesellschaftlichen Rollenerweiterungen profitieren können. Zweitens werden nach wie vor bestehende strukturelle Benachteiligungen in zentralen gesellschaftlichen Bereichen im Hinblick auf die Kategorie Geschlecht verdeckt - beispielsweise im Übergang von der Schule in den Beruf, wo sich die höheren Bildungsabschlüsse von Mädchen weiterhin nicht positiv auf ihre Chancen in Ausbildung, Beruf, Lohnniveau und Karriereplanung niederschlagen. Die zentralen Ziele von Mädchenarbeit sind daher die individuelle Stärkung und Förderung von Mädchen und die weitere Sensibilisierung für ihre Belange und Interessen im öffentlichen Bewusstsein. Mädchenpolitik wirkt darauf hin, die Interessen und Bedürfnisse von Mädchen und jungen Frauen strukturell zu berücksichtigen. Die LAG Mädchenpolitik verfolgt deshalb mit dem Leitgedanken „Mädchenarbeit braucht Mädchenpolitik!“ das Ziel, die Belange von Mädchen und jungen Frauen in allen Bereichen, die sie betreffen, zu verankern.

Historie der beiden LAGs

Seit 1993 trafen sich Fachfrauen aus verschiedenen Einrichtungen, Projekten und Verbänden im „AK Frauen in der Jugendhilfe“. Auf der Fachtagung „Lieber gut vernetzt als die Letzte am Seil“ im Jahr 1995 konkretisierte sich der Bedarf nach Unterstützung sowie fachpolitischer Vernetzung. Die Idee einer Landesarbeitsgemeinschaft Mädchenpolitik als arbeitsfeld- und trägerübergreifender Zusammenschluss zur politischen Vertretung der Inhalte und fachlichen Standards der Mädchenarbeit entstand. Die LAG Mädchenpolitik gründete sich daraufhin im November 1996 unter dem Motto „Wir bringen neue Bälle ins politische Spiel“ in Stuttgart.

Ebenfalls im Jahr 1993 gründete sich der „Landesweite Arbeitskreis Jungenarbeit“ (LAK) an der Landesakademie für Jugendbildung in Weil der Stadt. Im Arbeitskreis trafen sich überwiegend Männer aus regionalen Arbeitskreisen. Eine neue Arbeitsstruktur entstand 2005. Aus dem LAK wurde die Landesarbeitsgemeinschaft Jungenarbeit Baden-Württemberg (LAGJ).

Zusammenarbeit der LAGs

Die beiden LAGs engagieren sich für die Schaffung von institutionellen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die ein gutes Aufwachsen von Mädchen und Jungen in unserer Gesellschaft unterstützen. Dabei arbeiten sie partnerschaftlich und je nach Themenstellung zusammen.

Mitarbeit in den jeweiligen Bundesarbeitsgemeinschaften

Die LAG Mädchenpolitik Baden-Württemberg und die LAG Jungenarbeit Baden-Württemberg sind beide Gründungsmitglieder in den jeweiligen Bundesarbeitsgemeinschaften. Die BAG Mädchenpolitik e.V. gründete sich im Dezember 1999 in Dresden, die BAG Jungenarbeit e.V. im Dezember 2010 in Hannover.

Kontaktadressen

LAG Mädchenpolitik Baden-Württemberg
Ansprechpartnerin: Ulrike Sammet
Siemensstr. 11
70469 Stuttgart
Tel. / Fax:  0711 / 8382157
info@lag-maedchenpolitik-bw.de
www.lag-maedchenpolitik-bw.de

LAG Jungenarbeit Baden-Württemberg e.V.
Ansprechpartner: Michael Schirmer
Lindenspürstr. 32
70176 Stuttgart
Tel.: 0711 / 65668900

Fax: 0711 / 65668902
info@lag-jungenarbeit.de

www.lag-jungenarbeit.de